Schöpfung aus dem Moment – Chance oder E(g)so‑Schwurbelei?

Meine Themensuche für den Blogartkel begann mit der Eingebung: „Kein Thema.”  
Ein Satz, der im ersten Moment für dich vielleicht wie eine kreative Bankrotterklärung eines spirituellen Lehrers klingt, der keine Ideen mehr hat.
 
Doch, könnte dieses „Kein Thema” auch eine Einladung sein, nicht zu suchen, sondern zu lauschen? Nicht zu planen, sondern zu empfangen? Nicht zu kontrollieren, sondern zu vertrauen? Manchmal entsteht das Wesentliche erst dann, wenn wir aufhören, es erzwingen zu wollen. 

Doch ist das wirklich eine Chance – oder nur ein hübscher Vorwand, um sich nicht entscheiden und festlegen zu müssen? Oder um bloß keine Fehler zu machen?

Der Moment als Quelle deines Lebens

Wir leben in einer Zeit, in der alles geplant, optimiert und durchdacht sein soll. Die KI fördert dies meines Erachtens in immens potenzierter Form. Selbst die spirituelle Entwicklung wird oft zu einem Projekt: Kurse, Routinen, Rituale, Methoden, Heilungs-Ziele.

Die tiefsten Impulse und damit vielfach auch Lösungen kommen selten allein aus dem Kopf. Sie kommen aus dem Raum dazwischen – aus dem Moment, der sich öffnet, wenn wir aufhören zu wollen. Wenn der Wille dem Sinn Platz macht und so eine höhere Oktave, eine tiefere Bedeutung findet.

„Kein Thema“ bedeutet: „Mach Platz. Etwas will durch dich hindurch fließen und entstehen.”

Wer den Film „Avatar 1” gesehen hat erinnert sich eventuell an die Szene, als Mo’at (die Stammesmutter) Jake entgegnete: „Es ist schwer, eine Tasse zu füllen, die schon voll ist.“

Aber: Wann ist „Schöpfung aus dem Moment“ eine echte innere Führung/Intuition, und wann ist es nur ein spirituell verkleideter Ausweichreflex?

Ich fange gerne mit dem Positiven an :-). Wenngleich die andere, negative Seite keinesfalls wirklich und ständig negativ sein muss. Aber das ist wieder ein anderes Thema ….

Wann ist es echte innere Führung, also deine Intuition?

Das zeigt sich eigentlich relativ klar im Erleben. Ist es die echte Intuition erlebst du dies…

  • Ruhe – Intuition wirkt leise und klar. Sie bedrängt nicht, sie lädt eher ein. Sie „will“ nicht.
  • Stimmigkeit – Intuition braucht keine Begründung, sie fühlt sich einfach „richtig“ an.
  • Weite – Intuition öffnet innerlich. Sie schafft Raum und macht sanft neugierig. Es entsteht dieses „innere Kribbeln“, dass du sicher schon erlebt hast, wenn du neugierig bist.
  • Lebendigkeit – Intuition bringt Energie und Freude, sofort spürbar. Kraft und Wachheit, Interesse und Motivationen kommen zu dir.
Wenn du diese Qualitäten spürst, entsteht aus dem Moment oft etwas, das überraschend gut für dich (und auch deine Umgebung) passt. Es gibt für die Intuition meines Wissens keine objektiv messbaren Kriterien. Erfahrung und Übung helfen dir, deine Intuition immer besser wahrzunehmen und zu unterscheiden. Du spürst immer besser, wann Intuition mit dir ist, weil du die dazu passende Stimmung immer besser kennst.
 
Jetzt die andere Seite, die, wie gesagt nicht zwangsläufig „negativ” ist, aber in keinem Fall deine Intuition. Sofern du es erkennst und unterscheiden lernst, kann dir diese Seite sogar helfen, dich spirituell und persönlich zu entwickeln…

Wann ist es Selbsttäuschung beziehungsweise das bekannte „spiritual Bypassing”?

„Aus dem Moment schöpfen“ kann eine Ausrede des Egos sein. Diese Regung kann aus tiefen Blockaden und Projektionen entstehen. Wenn du dies spürst, dann ist es keine Intuition:

  • Unklarheit, die sich eher nebelig anfühlt. Es wird dir von der vermeintlichen inneren Stimme als Freiheit verkauft. „Ich fühle gerade nichts, also mache ich nichts.“
  • Bequemlichkeit und etwas Lähmendes. Es erscheint erstmal als vielleicht entlastend im Sinne von „Mein Impuls sagt, ich soll heute wieder nicht schreiben.” Aber eigentlich lähmt es Dich. Es fühlt sich schwerer an. Wenn deine Intuition dies mitteilt, spürst du eher Frieden oder eine Klarheit darin, im Sinne von: Es darf noch gewartet werden, damit etwas für die Integration in die Wirklichkeit reifen kann.
  • Ego-Impulse, die als spirituelle Eingebungen erscheinen: „Ich brauche kein Thema, ich bin jenseits davon.“ Immer wenn du merkst, das du „über” etwas stehst, dann schau genauer hin wo der Gedanke/die Haltung herkommt. Ist es Angst vor etwas? Vermeidung? Wovor läufst du davon? Ähnlich ist es damit, wenn du etwas willst oder nicht willst. Intuition ist sanft, sinnvoll.

Der Kernunterschied wann das Schöpfen aus dem Moment wirkliche Intuition ist und dich in deinem Seelenplan und -weg weiterbringt und wann es Eg(s)o-Schwurbeln ist, ist kurz gesagt…

Intuition bringt Klarheit und macht glücklich. Ego produziert Nebel, Schwere, Härte und belässt im Leid.

Die Kunst dem Moment zu vertrauen
„Schöpfung aus dem Moment“ ist meiner Ansicht nach kein esoterisches Konzept. Es wird aber gerne von Esoterikern genutzt, weil es ein natürlicher Prozess ist, den wir nur verlernt haben, ablaufen zu lasen. Kinder können es. Künstler können es. Menschen in Flow‑Zuständen können es. In einem Flow-Zustand bist du im Fluss und erfreust dich an dem, was du gerade tust.Und jeder von uns kann es wieder lernen.

Diese drei einfachen Haltungen braucht es, um Intuition zu unterstützen …

  • Loslassen: Nicht wissen müssen, was kommt.
  • Lauschen: Wahrnehmen, was sich zeigt.
  • Antworten: Dem Impuls folgen, der sich lebendig anfühlt.
So entsteht Authentizität. So entsteht Kreativität. So entsteht Verbindung mit dem Leben selbst, mit deinen wahren Sein.
 
Und was, wenn nichts kommt? Oder „Kein Thema” ;-)?
Dann ist DAS der Moment. Und du wirst spüren, dass es die Wahrheit ist, wenn es dich beruhigt, sich klar und „richtig” anfühlt. Denn auch Stille ist eine Botschaft. Auch Nicht‑Tun ist ein Tun.
 
Die größte Schöpfungskraft in einem Menschen ist meiner Ansicht nach die, die dich zurück zu dir selbst führt. Und sie steht dir in jeder einzelnen Sekunde zur Verfügung! Wenn du es möchtest und nicht im Ego bist. Die Chance für die selbst frei gestaltete Zukunft liegt genau in diesem Moment.
Freue dich darauf!
 
Wir sind, meiner Ansicht nach, in einem Zwischenraum in dieser Zeit, in dem Altes nicht mehr richtig funktioniert und Neues noch nicht klar und sichtbar und brauchbar ausgestaltet ist. Das „Richtige“, der „Sinn“ kann nur „erspürt” werden, von Moment zu Moment… Das erscheint dir vielleicht unsicher. Aber wenn du lernst, deiner Intuition mehr zuzuhören als dem Ego, dann erkennst du leichter die Sicherheit in dir. Und dass du jederzeit gehalten wirst, vom Leben, von der Göttin, von dem universellen Ganzen.